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I love you, you´re perfect, now change

I love you, you´re perfect, now change!

JULIAMALKOWSKI

Die Liebe und ihre VerwirrungenMänner sind anders, Frauen auch – gleichwohl können diese so unterschiedlichen Kreaturen irgendwie nicht voneinander lassen. Der Off-Broadway-Hit mit Texten von Joe DiPietro und Musik von Jimmy Roberts spielt die Variationen der Liebe und ihrer Verwirrungen von der Jugend bis zum Alter durch.Kontinuierlich festgelegte Figuren gibt es dabei nicht, die vier Akteure übernehmen insgesamt 60 Rollen. Praktisch, dass Regisseur Lars Wernecke das Geschehen in ein Kaufhaus verlegt hat, wo die jeweils benötigten Kleidungsstücke greifbar sind und ein Golfschläger schon mal schnell zum Krückstock mutieren kann.Der Wiedererkennungseffekt dürfte in so mancher Szene hoch sein, und Übertreibung muss ja nicht schaden. Beim Flirten kann sich etwa herausstellen, dass die Interessengebiete doch recht unterschiedlich gelagert sind – das beweist hier ein Mann, der mit seinen Erörterungen aerodynamischer Ingenieurstechnik nicht wirklich das erotische Interesse der Gesprächspartnerin weckt. Auch die entzückten Eltern, die den Freund beharrlich mit Kinderfotos belästigen, können einem bekannt vorkommen. Ganz zu schweigen vom Vater, der sich nur noch in Babysprache zu artikulieren weiß und offenbar nicht auf die naheliegende Idee kommt, einfach mal normal zu reden.Auch der Zeitgeist macht sich hier bemerkbar. Da ja heutzutage alle Menschen so irrsinnig beschäftigt sind, beschließt ein Paar, einige der üblichen Abläufe zu überspringen: den ersten Sex, den ersten Krach – bis man schließlich gleich die Trennung ins Auge fasst. Und in einer Video-Kontaktanzeige verrät eine alternde Frau mehr über sich, als sie vielleicht zunächst wollte, um dann aber zu dem Gesagten zu stehen. Eine der tiefgründigeren Nummern, die dieser Abend ebenfalls zu bieten hat.Alle vier Akteure meistern die schnellen Abläufe ebenso wie die stimmlichen Anforderungen und haben ihre Sternminuten. Thomas Wenzel und Julia Malkowski spielen etwa im Sketch „Der Lasagne-Zwischenfall“ eine wunderschön missglückte Verabredung zu einem Date. Gabriela Lindlova und William Danne brillieren unter anderem bei der Gesangsnummer „Heulsuse“, in der ein Macho, zum Betrachten eines Frauenfilms genötigt, von Tränen übermannt wird. Danne hat vielleicht die meisten vergleichbar starken Momente, weil er die schwierige Kunst beherrscht, Klischees derartig krass zu bedienen, dass es schon wieder Spaß macht.Nicht vergessen darf man bei alledem die Musiker Ulrich Jokiel (Klavier) und Peter Missler (Saxofon und Querflöte), gerade weil sie so unauffällig agieren und die Sache musikalisch im Fluss halten. Die stilistische Bandbreite ist übrigens groß; mal klingt’s fetzig, mal sanfter, und der eine oder andere Ohrwurm wird mitgeliefert.Hier und da schwächelt der Abend auch ein wenig. Dann wird’s albern, zuweilen läppisch, und die Eindeutschungen der Songtexte holpern punktuell spürbar. Ein Sketch über die Möglichkeit, eine Versicherung gegen mangelnde Befriedigung beim Sex abzuschließen, lässt sich nett an, hat dann aber keine rechte Pointe.Doch im Großen und Ganzen stimmt der Spannungsbogen – wer auf gediegene Unterhaltung erpicht ist und dabei eine Prise Nachdenklichkeit nicht verschmäht, dürfte hier an der richtigen Adresse sein. Jörg Worat Cellesche Zeitung vom 19 März 2012