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Das Interview

Das Interview

JULIAMALKOWSKI

Fotos Jochen Quast

Katz-und-Maus-Spiel um GefühlePierre Peters ist ehemaliger Kriegsberichtserstatter. Doch als der Journalist den Auftrag erhält, ein Gespräch mit dem Filmsternchen Katja zu führen, hat er sich wohl kaum träumen lassen, dass er gerade dort die ultimative Schlacht erleben wird. Das Psycho-Drama „Das Interview“ von Theodor Holman und Theo van Gogh, Bühnenfassung Stephan Lack, hatte in der Kleinen Residenzhalle Premiere.In dieser bereits zweimal verfilmten Geschichte wird nicht mit Waffen, sondern mit Worten gekämpft. Letztlich scheint auch jemand den Sieg davonzutragen, doch stellt sich die Frage, ob dieses Duell nicht ausschließlich Verlierer kennt, ja, ob die so unterschiedlichen Kontrahenten nicht von vornherein ihr gesamtes Leben verpfuscht haben.Auf die eine oder andere Weise ferngesteuert sind sie beide. Zu Pierres Aufgaben gehört die Suche nach der großen Story, und um so genervter ist er, der einst an den Krisenherden der Welt zugange war, sich mit einer Schauspielerin auseinandersetzen zu müssen, die üblicherweise eher mit ihrer Oberweite und der Frage, wie dieselbe zustande gekommen ist, in den Schlagzeilen landet. Dass sie immer auf eben dieses Themenspektrum reduziert wird, verletzt wiederum Katja, und wenn nun ein arroganter und unvorbereiteter Schnösel von Journalist in ihrer Wohnung sitzt, kann das ihre Begeisterung nicht steigern.Keine guten Voraussetzungen für ein gesittetes Interview. Das findet denn auch gar nicht statt, vielmehr beginnt ein Katz-und-Maus-Spiel um echte Gefühle und falsche Rollen, um Verletzungen, Sehnsüchte und Verluste. Manchmal kommen sich die beiden dabei sehr nah: „Narben erkennen einander“, lautet ein Satz, der gleich mehrfach fällt. Dann wiederum ist man nur noch damit beschäftigt, das Gegenüber zu vernichten. Erschwerend kommt hinzu, dass hier Medienprofis aufeinanderprallen, die wissen, wie bestimmte Effekte zu erzielen sind: Welche von all den tiefgründigen Selbstentblößungen sind eigentlich wahr und welche erfunden?Regisseurin Krystyn Tuschhoff hat den schwierigen Stoff schlüssig strukturiert. Der Abend entwickelt einen gewissen Sog: Mag man die Figuren nun, verabscheut man sie, hat man Mitleid? Oder alles zugleich? Nach etwa zwei Dritteln hat die rund 80-minütige Vorstellung einen Durchhänger, wenn die Handlungen der Figuren nicht mehr immer klar motiviert scheinen – das ist aber weniger der Inszenierung anzulasten als der Textvorlage, die neben brillanten Dialogen auch Leerlauf enthält.Die zum Teil derbe Sprache fügt sich bei Tuschhoff zum grausamen Geschehen, ohne als sinnentleerte Theaterprovokation zu erscheinen. Schönes Detail, wenn Katja die Anfangsbuchstaben des Namens Pierre Peters nachgerade ausspuckt. Gelungen auch Sandra Materias Bühnenbild, das eine Reihe von Spielebenen ermöglicht und mit ein paar originellen Verfremdungen aufwartet.Beide Darsteller überzeugen. Julia-Desirée Malkowski kann als Katja verletzlich, verletzend und vulgär sein, macht zudem deutlich, dass die Figur alles andere ist als eine oberflächliche Dumpfblondine. Thomas Wenzel gestaltet Pierre als erstklassigen Kotzbrocken, in dessen rauer Schale aber deutlich Risse erscheinen. Zu Recht ausführlicher Premierenapplaus. Jörg Worat Cellesche Zeitung vom 22. Januar 2012